Die Verknüpfung mit dem Ganzen
- Stefan Eberhardt
- vor 2 Tagen
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Aktualisiert: vor 10 Minuten
Wann hast Du Dich zuletzt innerlich zerrissen und nicht als Ganzes gefühlt? Wie bist Du mit der Situation umgegangen?
Ganzheitlichkeit beginnt mit der Wahrnehmung meiner Selbst. Der Körper ist dabei oft ehrlicher als die Gedanken. Wie atme ich gerade? Ist eine Körperregion angespannt? Fühle ich mich kalt oder warm an? Bin ich müde, erschöpft oder kraftlos? Habe ich Hunger oder Durst? Habe ich Schmerzen und wenn ja, wo sind diese genau? Unser Körper ist in vielerlei Hinsicht unser wichtigster Ratgeber, um zu erkennen, wo wir in Ungleichgewicht geraten sind. Viele Redewendungen kommen nicht von ungefähr: "Ich habe die Nase voll", "Mir fehlt die Luft zum Atmen", "Etwas liegt mir schwer im Magen" oder "Kalte Füße bekommen". Sinneswahrnehmungen, Gedanken und Gefühle in Einklang zu bringen und in Beziehung zu setzen, ist ganzheitliches Denken - nichts kann isoliert betrachtet werden und alles ist aus einem bestimmten Grund da.
Gefühle ganzheitlich zu betrachten, heißt, sie nicht zu unterdrücken oder kontrollieren zu wollen. Auch widersprüchliche Gefühle dürfen nebeneinander existieren. Gefühlen ganzheitlich begegnen heißt, jedem Impuls Beachtung zu schenken und zu fragen, warum ist es da und was löst es in mir aus. Das bedeutet nicht, dass ich jedem Gefühl und dem damit verbundenem Impuls nachgehen muss und in konkrete Handlungen umsetze.
Ganzheitliches Denken ist Beziehungsdenken. Ich betrachte meine Beziehungen auf verschiedenen Ebenen und in Verbindung zueinander: die Beziehung zu mir selbst, die Beziehung zu meinen inneren Impulsen/Stimmen/Gefühlen, die Beziehung zu Herausforderungen und die Beziehung zu meinem Umfeld. Ganzheitlichkeit entsteht nicht im Alleinsein. Wir brauchen unsere Mitmenschen, um in Resonanz mit ihren Gedanken, Gefühlen und Vorstellungen gehen zu können. Unser Umfeld hält uns - ob bewusst oder unbewusst - in der Begegnung einen Spiegel vor. Und mit dem, was wir darin betrachten, können wir uns auseinandersetzen und (weiter-)entwickeln.
Ganzheitliches Leben ist eine Lebenseinstellung, kein Zustand. Es geht nicht darum, alles sofort zu verstehen, alles sofort zu können oder alles sofort in die Tat umzusetzen. Es geht darum zu spüren, was gerade in mir arbeitet, wie es sich anfühlt, wie ich es in Beziehung setzen kann, mit dem, was mir gerade widerfährt und und wo ich eventuell hin möchte. Selbst wenn Du aktuell nicht das Bedürfnis hast, Dich in eine bestimmte Richtung zu entwickeln, dann bist Du trotzdem einem innerlichen Impuls nachgegangen und hast Dich mit ihm beschäftigt und das ist wertvoll - das ist Wertschätzung für Dich selbst.


